Amortisation berechnen: Wann du dein Geld wieder drin hast

Die Maschine kostet 120.000 Euro. Der zusätzliche Außendienstmitarbeiter kostet dich im ersten Jahr rund 90.000 Euro. Die neue Vertriebssoftware 18.000 Euro Einführung plus Lizenzen.
Und jetzt stellst du dir genau eine Frage: Wann habe ich mein Geld zurück?
Diese Frage beantwortet die Amortisationsrechnung — in zwei Zeilen, mit zwei Zahlen. Sie ist das schnellste Werkzeug der Investitionsrechnung und das, bei dem die meisten die falsche Größe einsetzen. Hier ist der Rechenweg, das Beispiel aus dem Vertrieb und die Stelle, an der die Methode dich in die Irre führt.
Was ist Amortisation?
Amortisation ist der Zeitpunkt, an dem eine Investition das eingesetzte Kapital vollständig zurückgebracht hat. Du legst Geld hinein, es kommt in Raten zurück, und der Tag, an dem die Summe der Rückflüsse den Anschaffungswert erreicht, ist der Amortisationszeitpunkt. Die Zeitspanne bis dahin heißt Amortisationszeit oder Amortisationsdauer.
Damit ist Amortisation keine Rentabilitätsaussage, sondern eine Zeitaussage. Sie sagt nicht, wie viel du verdienst. Sie sagt, wie lange dein Geld im Risiko steht.
Zwei Bedeutungen laufen unter demselben Wort, und das sorgt für Verwirrung:
- Amortisation als Rückfluss einer Investition. Eine Anlage, ein Fahrzeug, eine Software, ein Mitarbeiter verdient das Geld zurück, das sie gekostet hat. Darum geht es in diesem Artikel.
- Amortisation als Tilgung eines Kredits. Im Bankwesen und im Schweizer Sprachgebrauch bedeutet der Begriff die planmäßige Rückzahlung einer Schuld, etwa bei einer Hypothek. Gleiches Wort, anderer Vorgang. Ab hier reden wir nur noch über Investitionen.
Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt die Amortisationsrechnung als Verfahren zur Beurteilung von Investitionsobjekten bei Unsicherheit — das Kriterium ist die Dauer, bis das eingesetzte Kapital wieder zurückgeflossen ist. „Bei Unsicherheit" ist dabei kein Nebensatz, sondern der Kern: Diese Dauer ist in erster Linie ein Risikomaß. Je länger dein Geld draußen ist, desto mehr kann dazwischenkommen.
Genau deshalb gehört diese Rechnung auf den Unternehmerschreibtisch und nicht nur in die Buchhaltung. Wie Investitionsentscheidungen in ein System aus Zahlen, Planung und Abweichungsanalyse eingebettet werden, steht im Überblick zum Controlling.
Rückfluss ist nicht Umsatz — die Größe, mit der du rechnest
Hier scheitern die meisten Rechnungen, bevor sie beginnen. In diese Rechnung gehört nicht der Umsatz, den die Investition erzeugt. Es gehört der Rückfluss hinein, und der ist definiert als:
Rückfluss = Gewinn nach Abschreibung + Abschreibung
Fehler eins: Umsatz statt Ergebnis. Eine Maschine, die 200.000 Euro Umsatz produziert, bringt dir keine 200.000 Euro. Material, Löhne, Energie, Wartung gehen ab. Was übrig bleibt, ist der Deckungsbeitrag — und aus dem müssen erst die laufenden Kosten der Investition selbst bezahlt werden. Wie du diese Größe korrekt ermittelst, steht im Artikel zum Deckungsbeitrag.
Fehler zwei: die Abschreibung vergessen. Die Abschreibung senkt deinen Gewinn — aber sie ist kein Geld, das den Betrieb verlässt. Das ist bei der Anschaffung abgeflossen, einmalig. Wer fragt, wie viel Geld die Investition pro Jahr zurückspült, muss die Abschreibung zum Gewinn wieder hinzurechnen. Sonst zählst du die Anschaffung doppelt: einmal im Zähler, einmal als Aufwand im Nenner.
Ein Beispiel dafür, was das ausmacht: Eine Anlage kostet 120.000 Euro, wird über sechs Jahre linear abgeschrieben, das sind 20.000 Euro pro Jahr. Sie bringt einen Gewinn nach Abschreibung von 16.000 Euro im Jahr.
- Falsch gerechnet: 120.000 ÷ 16.000 = 7,5 Jahre. Die Anlage wäre nie wirtschaftlich, weil sie nur sechs Jahre läuft.
- Richtig gerechnet: Rückfluss = 16.000 + 20.000 = 36.000 Euro. 120.000 ÷ 36.000 = 3,3 Jahre.
Sieben Jahre oder dreieinhalb. Dieselbe Anlage, dieselben Zahlen — und zwei völlig verschiedene Entscheidungen. Der Rückfluss ist eine Zahlungsgröße, keine Buchungsgröße. Deshalb ist er dem Cashflow näher als dem Gewinn.
Die Amortisationsrechnung: zwei Verfahren
Für die Rechnung gibt es zwei statische Verfahren. Beide sind zulässig, beide liefern unterschiedliche Ergebnisse, und eines davon ist ehrlicher.
Als Rechenbeispiel dient die Anlage von oben. Alle Zahlen sind frei gewählte Beispielwerte, die den Rechenweg zeigen — keine Branchendaten.
Anschaffungswert 120.000 Euro, Nutzungsdauer sechs Jahre, lineare Abschreibung 20.000 Euro pro Jahr. Gewinn nach Abschreibung und daraus der Rückfluss:
- Jahr 1: Gewinn 4.000 + 20.000 Abschreibung = 24.000 Euro Rückfluss
- Jahr 2: 10.000 + 20.000 = 30.000 Euro
- Jahr 3: 16.000 + 20.000 = 36.000 Euro
- Jahr 4: 20.000 + 20.000 = 40.000 Euro
- Jahr 5: 20.000 + 20.000 = 40.000 Euro
- Jahr 6: 14.000 + 20.000 = 34.000 Euro
Summe über sechs Jahre: 204.000 Euro. Anlauf schwach, Mitte stark, am Ende steigt der Wartungsaufwand. So sieht die Realität aus — und deshalb machen die zwei Verfahren einen Unterschied.
Durchschnittsmethode: eine Zeile, ein Ergebnis
Die Durchschnittsmethode teilt den Anschaffungswert durch den durchschnittlichen jährlichen Rückfluss:
Amortisationszeit = Anschaffungswert ÷ durchschnittlicher jährlicher Rückfluss
Durchschnittlicher Rückfluss: 204.000 ÷ 6 = 34.000 Euro pro Jahr.
Amortisationszeit: 120.000 ÷ 34.000 = 3,5 Jahre.
Das ist die Rechnung, die du im Kopf machen kannst. Sie ist richtig, solange die Rückflüsse gleichmäßig anfallen. Genau das tun sie fast nie.
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Kumulationsmethode: Jahr für Jahr addieren
Die Kumulationsmethode addiert die Rückflüsse in der Reihenfolge, in der sie tatsächlich anfallen, bis der Anschaffungswert gedeckt ist:
- Ende Jahr 1: 24.000 Euro kumuliert — Rest: 96.000 Euro
- Ende Jahr 2: 54.000 Euro — Rest: 66.000 Euro
- Ende Jahr 3: 90.000 Euro — Rest: 30.000 Euro
- Im Jahr 4 fehlen noch 30.000 von 40.000 Euro Rückfluss: 30.000 ÷ 40.000 = 0,75 Jahre
Amortisationszeit: 3 + 0,75 = 3,75 Jahre.
Drei Monate Unterschied. Bei Investitionen mit langem Anlauf — Maschinen mit Einfahrphase, Software mit Einführungsprojekt, ein neuer Standort, ein neuer Mitarbeiter — wird die Lücke größer, oft ein ganzes Jahr.
Die Kumulationsmethode ist immer die ehrlichere: Sie beantwortet die Frage, die du tatsächlich gestellt hast. Nicht, wann eine gedachte Durchschnitts-Investition zurückgezahlt hätte — sondern wann dein Konto wieder ausgeglichen ist. Dafür zählt die Reihenfolge. Ein Euro im Jahr 5 hilft dir im Jahr 2 nicht.
Meine Regel: Rechne die Durchschnittsmethode für den ersten Blick, entscheide nach der Kumulationsmethode. Wenn beide Verfahren nah beieinanderliegen, sind die Rückflüsse gleichmäßig — ein gutes Zeichen. Klaffen sie auseinander, hast du eine Investition mit Anlaufrisiko. Das ist keine Absage, aber es ist eine Liquiditätsfrage.
Beispielrechnung: rechnet sich ein zusätzlicher Verkäufer?
Jetzt die Investition, um die es in meiner Welt am häufigsten geht. Ein Verkäufer ist keine Maschine — aber betriebswirtschaftlich eine Investition mit Anschaffungswert, Anlaufphase und Rückfluss. Und genauso durchrechenbar.
Wieder gilt: Alle Zahlen sind Beispielwerte für den Rechenweg, keine Marktdaten.
Ein B2B-Betrieb stellt einen Außendienstmitarbeiter ein. Der „Anschaffungswert" besteht aus drei Blöcken:
- Recruiting und Einstellung: Stellenanzeigen, Auswahlverfahren, Vertrag — 8.000 Euro
- Ausstattung: Notebook, Telefon, CRM-Lizenz, Anzahlung Firmenwagen — 7.000 Euro
- Anlaufverlust der ersten drei Monate: Vollkosten des Mitarbeiters 7.500 Euro pro Monat (Gehalt, Arbeitgeberanteil, Fahrzeug, Spesen). Sein Deckungsbeitrag: Monat 1 = 0 Euro, Monat 2 = 2.000 Euro, Monat 3 = 5.000 Euro. Unterdeckung: 7.500 + 5.500 + 2.500 = 15.500 Euro
Gesamte Investition: 8.000 + 7.000 + 15.500 = 30.500 Euro.
Ab Monat 4 läuft er: 14.000 Euro Deckungsbeitragszuwachs pro Monat, Vollkosten 7.500 Euro. Netto-Rückfluss: 6.500 Euro pro Monat.
Amortisationszeit nach der Kumulationsmethode: 30.500 ÷ 6.500 = 4,7 Monate ab Monat 4. Vom Tag der Einstellung gerechnet: rund 8,7 Monate.
Das ist die Zahl, die die Entscheidung trägt. Nicht „ein Verkäufer kostet 90.000 Euro im Jahr" — sondern: Nach neun Monaten hat er sich selbst bezahlt, danach liefert er 78.000 Euro Deckungsbeitrag pro Jahr über seine Kosten hinaus.
Und jetzt die unbequeme Seite derselben Rechnung: Diese 30.500 Euro musst du vorfinanzieren. Neun Monate lang zahlt der Betrieb, nicht der Mitarbeiter. Wer bei drei Monaten Liquiditätsreserve zwei Verkäufer gleichzeitig einstellt, hat nicht falsch gerechnet — er hat die Rückflussdauer nicht gegen seine Liquidität gestellt. Welche Hebel eine dünne Decke schnell dicker machen, steht unter Liquidität verbessern.
Zweiter Punkt, der oft untergeht: Jeder zusätzliche Mitarbeiter erhöht deinen Fixkostenblock dauerhaft, während der Deckungsbeitrag schwanken kann. Was das für deine Kostenstruktur bedeutet, steht bei den Fixkosten.
Dieselbe Rechnung für eine Vertriebssoftware
Dasselbe Muster, anderes Objekt. Ein CRM für zwölf Verkäufer, Beispielwerte:
- Einmalig: Einführung, Datenmigration, Schulung — 18.000 Euro
- Laufend: 12 Lizenzen × 60 Euro = 720 Euro pro Monat
- Nutzen: konsequentes Nachfassen von Angeboten bringt drei zusätzliche Abschlüsse pro Monat à 900 Euro Deckungsbeitrag = 2.700 Euro
- Netto-Rückfluss: 2.700 − 720 = 1.980 Euro pro Monat
Amortisationszeit: 18.000 ÷ 1.980 = 9,1 Monate.
Der entscheidende Satz steht in der dritten Zeile: „drei zusätzliche Abschlüsse pro Monat". Das ist eine Annahme, keine Tatsache. Bei Software steckt das Risiko nie im Preis, sondern in dieser Annahme.
Was ist eine gute Amortisationszeit?
Die ehrliche Antwort: Es gibt keine allgemeine Grenze. Jede Faustregel — „unter drei Jahren ist gut" — ist geraten. Zwei Größen entscheiden, und beide sind deine:
Erste Größe: die Nutzungsdauer. Die Rückflussdauer muss deutlich kürzer sein als die Zeit, in der die Investition arbeitet. Eine Maschine mit zehn Jahren Nutzungsdauer darf sich in vier Jahren amortisieren — danach liefert sie sechs Jahre reinen Ertrag. Eine Software, die in drei Jahren technisch überholt ist, muss sich in unter 18 Monaten rechnen. Mein Richtwert: Die Amortisationszeit sollte höchstens die Hälfte der realistischen Nutzungsdauer betragen. Alles darüber ist eine Wette auf die Zukunft des Marktes.
Zweite Größe: deine Liquidität. Ein Rückfluss über vier Jahre ist unproblematisch, wenn du die Investition aus Eigenmitteln zahlst und deine Reserve nicht antastest. Dieselben vier Jahre sind gefährlich, wenn du das Geld aus dem laufenden Betrieb ziehst und dein Kontokorrent im nächsten Winter knapp wird. Investitionen binden Kapital — und gebundenes Kapital ist genau das, was dir im Tagesgeschäft fehlt. Diesen Zusammenhang zeigt der Artikel zum Working Capital.
Kommt Fremdkapital ins Spiel, gilt eine dritte Bedingung, und die ist hart: Die Amortisationszeit muss kürzer sein als die Tilgungsdauer des Kredits. Sonst zahlst du Raten für etwas, das sein Geld noch nicht verdient hat, und finanzierst die Lücke aus dem übrigen Geschäft. Welcher Finanzierungsweg zu welcher Investition passt, steht in der Unternehmensfinanzierung.
Wie du den Rückfluss schätzt, ohne dir etwas vorzumachen
Die Rechnung ist nur so gut wie ihre Eingangsgrößen. Der Anschaffungswert steht auf dem Angebot — der ist hart. Der Rückfluss ist eine Schätzung, und Schätzungen von Unternehmern über eigene Vorhaben fallen systematisch zu optimistisch aus. Immer.
Vier Regeln, die das korrigieren:
- Rechne den Anschaffungswert vollständig. Nicht der Kaufpreis, sondern alles bis zur Betriebsbereitschaft: Transport, Montage, Fundament, Schulung, Datenmigration, Anlaufverlust. Beim Verkäufer oben war der Anlauf mit 15.500 Euro teurer als Recruiting und Ausstattung zusammen.
- Rechne den Rückfluss netto. Deckungsbeitragszuwachs minus alle laufenden Kosten der Investition: Wartung, Lizenzen, Energie, Versicherung, zusätzliche Personalkosten. Was übrig bleibt, ist Rückfluss.
- Rechne drei Szenarien, entscheide nach dem pessimistischen. Realistisch, optimistisch, pessimistisch. Im pessimistischen Fall setzt du den Rückfluss auf 60 bis 70 Prozent des realistischen Werts und verlängerst die Anlaufphase um die Hälfte. Der Verkäufer von oben bringt dann 9.500 statt 14.000 Euro Deckungsbeitrag, braucht fünf statt drei Monate Anlauf — und ist erst nach rund 18 statt 9 Monaten bezahlt. Die Frage lautet nicht, ob sich die Investition im besten Fall rechnet. Sie lautet, ob du den pessimistischen Fall aushältst. Wenn ja, entscheide. Wenn nein, lass es.
- Trenne Einsparung von Zusatzertrag. Wer 2.000 Euro Kosten pro Monat einspart, hat einen sicheren Rückfluss — die Ersparnis tritt ein, sobald die Anlage läuft. Wer 2.000 Euro mehr Deckungsbeitrag verspricht, hängt am Markt. Gleiche Zahl, anderes Risiko: Setze bei Ertragsannahmen einen härteren Abschlag.
Und dann der Schritt, den fast niemand macht: Rechne nach. Sechs Monate nach der Investition legst du die Ist-Zahlen neben den Plan — nicht zur Bestrafung, sondern um zu lernen, wie stark dein eigener Optimismus abweicht. Nach drei solchen Vergleichen kennst du deinen Korrekturfaktor. Der ist mehr wert als jede Formel.
Die Grenzen der Amortisationsrechnung
Die Methode hat zwei blinde Flecken. Wer sie nicht kennt, trifft mit einer richtigen Rechnung eine falsche Entscheidung.
Blinder Fleck eins: Was nach der Amortisation passiert, kommt nicht vor. Die Methode hört auf zu zählen, sobald das Geld zurück ist. Zwei Investitionen mit identischer Amortisationszeit von drei Jahren können völlig verschieden sein: Die eine ist danach Schrott, die andere liefert noch sieben Jahre. Die Rechnung sieht beide gleich. Deshalb ist sie ein Ausschlusskriterium, keine Rangliste. Sie sagt dir, welche Investitionen zu lange dauern. Sie sagt dir nicht, welche die beste ist.
Blinder Fleck zwei: Zinsen kommen nicht vor. In den statischen Verfahren ist ein Euro im Jahr 5 so viel wert wie ein Euro heute. Ist er nicht — er kostet Zinsen oder entgangene Verzinsung. Bei Laufzeiten unter zwei Jahren ist der Fehler klein, bei fünf Jahren erheblich.
Kapitalwert und Investitionsrechnung als Ergänzung
Beide Lücken schließt die dynamische Investitionsrechnung: Sie zinst jeden Rückfluss auf den heutigen Wert ab und addiert erst dann. Der Kapitalwert ist die Summe aller abgezinsten Rückflüsse minus dem Anschaffungswert. Ist er positiv, verdient die Investition mehr als deinen Kalkulationszins. Gerechnet auf das Anlagenbeispiel oben, mit 8 Prozent Kalkulationszins:
- Jahr 1: 24.000 × 0,926 = 22.224 Euro
- Jahr 2: 30.000 × 0,857 = 25.710 Euro
- Jahr 3: 36.000 × 0,794 = 28.584 Euro
- Jahr 4: 40.000 × 0,735 = 29.400 Euro
- Jahr 5: 40.000 × 0,681 = 27.240 Euro
- Jahr 6: 34.000 × 0,630 = 21.420 Euro
Summe der abgezinsten Rückflüsse: 154.578 Euro. Kapitalwert: 154.578 − 120.000 = 34.578 Euro. Die Investition ist vorteilhaft.
Und jetzt derselbe Kumulationsschritt mit abgezinsten Werten: Nach vier Jahren sind 105.918 Euro zurückgeflossen, es fehlen 14.082 Euro von 27.240 Euro im Jahr 5. Dynamische Amortisationszeit: rund 4,5 Jahre — gegenüber 3,75 Jahren in der statischen Rechnung.
Neun Monate Unterschied, nur weil das Geld einen Preis hat. Bei einer Nutzungsdauer von sechs Jahren ist das der Unterschied zwischen komfortabel und knapp.
Die Reihenfolge in der Praxis: Amortisationszeit als Vorfilter, Kapitalwert für die Entscheidung zwischen den Kandidaten, die den Filter passiert haben. Wie sich diese Größen in dein übriges Zahlenwerk einordnen, zeigt der Überblick zu den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.
Amortisation und Break-even sind nicht dasselbe
Diese zwei Begriffe werden dauernd verwechselt, und der Unterschied ist einfach:
- Break-even fragt nach der Menge. Wie viele Stück muss ich verkaufen, damit die Deckungsbeiträge die Fixkosten decken? Ergebnis: eine Stückzahl oder ein Umsatzbetrag. Einheit: Stück, Euro.
- Amortisation fragt nach der Zeit. Wie lange dauert es, bis das investierte Kapital zurückgeflossen ist? Ergebnis: eine Dauer. Einheit: Monate, Jahre.
Zwei Fragen, zwei Einheiten. Der Break-even-Point beschreibt einen Zustand deines laufenden Geschäfts: ab dieser Menge Gewinn. Die Amortisation beschreibt den Verlauf einer einzelnen Investition: ab diesem Zeitpunkt bezahlt.
Sie hängen zusammen, sie ersetzen sich aber nicht. Eine Investition, die deine Fixkosten erhöht, schiebt deinen Break-even-Point nach oben — der neue Verkäufer kostet 90.000 Euro im Jahr, also muss mehr Deckungsbeitrag her, bevor der Betrieb im Plus ist. Und die Rechnung von oben sagt, wie lange diese Erhöhung ungedeckt bleibt. Wie du die Mengenfrage rechnest, steht im Artikel zum Break-even-Point.
Die häufigsten Fehler bei der Amortisation
- Umsatz statt Rückfluss. Der Klassiker, und er führt immer zu einem zu guten Ergebnis. In die Rechnung gehört Gewinn plus Abschreibung, nicht Umsatz.
- Abschreibung im Rückfluss vergessen. Der Fehler in die andere Richtung: Er lässt gute Investitionen unwirtschaftlich erscheinen. Sieben Jahre statt dreieinhalb, siehe oben.
- Nur den Kaufpreis ansetzen. Montage, Schulung, Anlaufverlust und Ausfallzeiten während der Umstellung gehören dazu — bei Software und Personal ist dieser Teil größer als der Kaufpreis.
- Durchschnittsmethode bei ungleichmäßigen Rückflüssen. Wenn die Investition langsam anläuft, ist der Durchschnitt zu optimistisch. Nimm die Kumulationsmethode.
- Die Amortisationszeit als Rangliste benutzen. Sie ist ein Filter. Zwei Investitionen mit gleicher Dauer können unterschiedlich viel wert sein — das entscheidet der Kapitalwert.
- Rechnen ohne Liquiditätsprüfung. Rechnerisch vorteilhaft und trotzdem nicht tragbar: Dauert die Vorfinanzierung länger als deine Reserve reicht, ist die Investition zu groß für jetzt. Nicht falsch — zu früh.
- Alternativen nicht gegenrechnen. Kaufen, leasen, mieten, auslagern: vier Varianten, vier Rechnungen. Wer nur die Kaufvariante rechnet, hat nicht entschieden, sondern bestätigt.
Häufige Fragen zur Amortisation
Was bedeutet Amortisation einfach erklärt?
Amortisation heißt: Eine Investition hat das Geld zurückgebracht, das sie gekostet hat. Kostet eine Anlage 120.000 Euro und spült pro Jahr 36.000 Euro zurück, ist sie nach etwa 3,3 Jahren amortisiert. Ab diesem Zeitpunkt arbeitet sie für den Gewinn. Im Bankwesen ist damit dagegen die Tilgung eines Kredits gemeint — gleiches Wort, anderer Vorgang.
Wie berechnet man die Amortisationszeit?
Teile den Anschaffungswert durch den jährlichen Rückfluss, wobei Rückfluss den Gewinn nach Abschreibung plus die Abschreibung meint. Bei gleichmäßigen Rückflüssen genügt die Durchschnittsmethode. Bei ungleichmäßigen addierst du die Rückflüsse Jahr für Jahr, bis der Anschaffungswert gedeckt ist — das ist die Kumulationsmethode und die genauere von beiden.
Was ist eine gute Amortisationszeit?
Es gibt keinen allgemeinen Grenzwert. Als Richtwert sollte die Amortisationszeit höchstens die Hälfte der realistischen Nutzungsdauer betragen: bei einer Maschine mit zehn Jahren Laufzeit also maximal fünf Jahre, bei Software mit drei Jahren Lebensdauer unter 18 Monaten. Wird die Investition finanziert, muss sie zusätzlich kürzer sein als die Tilgungsdauer.
Was ist der Unterschied zwischen Amortisation und Break-even?
Break-even fragt nach der Menge, Amortisation nach der Zeit. Der Break-even-Point nennt die Stückzahl oder den Umsatz, ab dem die Deckungsbeiträge die Fixkosten decken. Die Amortisationszeit nennt die Dauer, bis eine einzelne Investition ihr eingesetztes Kapital zurückgebracht hat. Verschiedene Fragen, verschiedene Einheiten — sie ersetzen sich nicht.
Warum zählt bei der Amortisation die Abschreibung mit?
Weil die Abschreibung Aufwand ist, aber kein Geldabfluss. Das Geld hat der Betrieb bei der Anschaffung bezahlt, einmalig. Wer die Abschreibung nicht zum Gewinn hinzurechnet, zählt die Anschaffung zweimal — einmal im Zähler als Anschaffungswert, einmal im Nenner als Aufwand. Das Ergebnis fällt dann etwa doppelt so lang aus wie in Wirklichkeit.
Fazit: zwei Zahlen, eine Entscheidung
Die Amortisationsrechnung braucht keine Software und keinen Berater. Sie braucht zwei Zahlen: den vollständigen Anschaffungswert und den jährlichen Rückfluss aus Gewinn plus Abschreibung. Teile die erste durch die zweite, und du hast die Amortisationszeit.
Dann drei Prüfungen. Ist die Amortisationszeit kürzer als die halbe Nutzungsdauer? Hältst du die Vorfinanzierung im pessimistischen Fall aus? Und wenn es zwischen mehreren Investitionen zu entscheiden gilt: Welche hat den höheren Kapitalwert?
Das ist alles. Kein Unternehmer geht an einer falsch gerechneten Amortisation zugrunde. Sie gehen daran zugrunde, dass sie gar nicht gerechnet haben — und neun Monate Vorfinanzierung mit drei Monaten Reserve bezahlen wollten.
Rechne die nächste Investition durch, bevor du unterschreibst. Und wenn du Umsatz, Kosten und Liquidität in ein System bringen willst, das solche Entscheidungen trägt: Sichere dir das kostenlose Unternehmer-Paket — sieben Anleitungen für mehr Umsatz und die Struktur, die dein Wachstum aushält.
Investieren ist kein Mut. Investieren ist Rechnen. Mit System, nicht mit Glück.
