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Break-even-Point berechnen: Formel, Beispiel und Nutzen

Dirk Kreuter
Unternehmerin berechnet den Break-even-Point für ein neues Produkt

Was ist der Break-even-Point?

Der Break-even-Point ist der Punkt, an dem Erlöse und Gesamtkosten gleich hoch sind. Bei dieser Menge oder diesem Umsatz macht ein Unternehmen weder Gewinn noch Verlust. Jede Einheit darüber erzeugt Gewinn, jede darunter Verlust. Im Deutschen heißt die Kennzahl auch Gewinnschwelle oder Kostendeckungspunkt.

Es ist die wichtigste Zahl, die du kennen solltest, bevor du morgens aufschließt: Wie viel muss heute, diese Woche, diesen Monat verkauft werden, damit sich der Betrieb selbst trägt?

Die meisten Unternehmer können ihren Monatsumsatz nennen. Deutlich weniger können sagen, wo ihre Schwelle liegt. Und wer sie nicht kennt, verhandelt Preise im Blindflug.

Die Formel

Der Break-even-Point baut direkt auf dem Deckungsbeitrag auf. Ohne ihn geht es nicht.

Break-even-Menge:

Fixkosten ÷ Deckungsbeitrag pro Stück = Break-even-Menge

Break-even-Umsatz:

Fixkosten ÷ Deckungsbeitragsquote = Break-even-Umsatz

Die Deckungsbeitragsquote ist dabei der Deckungsbeitrag geteilt durch den Umsatz. Wie du sie sauber herleitest, steht im Beitrag über den Deckungsbeitrag.

Die zweite Formel brauchst du immer dann, wenn du kein einheitliches „Stück" hast — bei Dienstleistungen, gemischten Sortimenten oder Projektgeschäft.

Rechenbeispiel: Produkt mit klarer Stückgröße

Ein Betrieb verkauft ein Gerät für 450 Euro netto. Die variablen Kosten pro Gerät liegen bei 270 Euro. Die monatlichen Fixkosten betragen 54.000 Euro.

Deckungsbeitrag pro Stück:

450 − 270 = 180 Euro

Break-even-Menge:

54.000 ÷ 180 = 300 Geräte pro Monat

Break-even-Umsatz:

300 × 450 = 135.000 Euro

Gegenprobe über die Quote: Die Deckungsbeitragsquote ist 180 ÷ 450 = 40 %. Also 54.000 ÷ 0,40 = 135.000 Euro

Ab Gerät 301 verdient der Betrieb 180 Euro pro Stück. Bei 350 Geräten liegt der Gewinn bei 50 × 180 = 9.000 Euro.

Rechenbeispiel: Dienstleistung ohne Stückzahl

Eine Beratung rechnet nach Tagessätzen. Der Tagessatz liegt bei 1.400 Euro, die direkt zurechenbaren Kosten pro Einsatztag bei 250 Euro (Reise, Material, Fremdleistung). Fixkosten: 22.000 Euro im Monat.

Deckungsbeitrag pro Tag: 1.400 − 250 = 1.150 Euro

Break-even: 22.000 ÷ 1.150 = 19,1 Tage

Das heißt: 20 fakturierte Einsatztage im Monat, bevor der erste Euro Gewinn entsteht. Bei etwa 21 Arbeitstagen im Monat ist das eine unbequeme Erkenntnis — und genau der Grund, warum viele Dienstleister trotz voller Auftragsbücher nichts verdienen. Die Auslastung muss nahezu vollständig sein, weil kein Puffer für Akquise, Verwaltung, Urlaub und Krankheit eingerechnet ist.

Die Antwort darauf ist selten „mehr arbeiten". Sie ist ein höherer Tagessatz oder ein Geschäftsmodell, das nicht ausschließlich Zeit verkauft. Beides gehört in die Überlegungen zum Geschäftsmodell.

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Break-even mit Zielgewinn

Kostendeckung ist kein Unternehmensziel. Erweitere die Formel deshalb um den Gewinn, den du brauchst:

(Fixkosten + Zielgewinn) ÷ Deckungsbeitrag pro Stück = nötige Menge

Im Geräte-Beispiel mit einem Zielgewinn von 15.000 Euro monatlich:

(54.000 + 15.000) ÷ 180 = 384 Geräte

Das sind 84 Geräte mehr als die reine Kostendeckung. Diese Zahl ist deine echte Zielvorgabe für den Vertrieb — nicht die 300. Wie du daraus verbindliche Ziele machst, zeigen die Vertriebskennzahlen.

Denk beim Zielgewinn an den Unternehmerlohn. Wenn du als Inhaber kein Gehalt beziehst, sondern vom Gewinn lebst, gehört dieser Betrag zwingend in die Rechnung. Sonst arbeitest du an einer Schwelle, die dich nicht ernährt.

Die Sicherheitsspanne: Wie viel Luft hast du?

Der Break-even-Point allein sagt dir nicht, wie riskant deine Lage ist. Dafür gibt es die Sicherheitsspanne:

((tatsächlicher Umsatz − Break-even-Umsatz) ÷ tatsächlicher Umsatz) × 100

Bei 160.000 Euro Ist-Umsatz und 135.000 Euro Break-even:

(160.000 − 135.000) ÷ 160.000 × 100 = 15,6 %

Dein Umsatz darf um knapp 16 % einbrechen, bevor du in die Verlustzone kommst. Diese Zahl ist das nützlichste Frühwarnsignal, das du aus deinen eigenen Daten bauen kannst. Sie beantwortet die Frage, die im Krisenfall zählt: Wie viel Rückgang hältst du aus?

Eine niedrige Sicherheitsspanne bedeutet nicht automatisch Gefahr — sie bedeutet, dass du keine Zeit für langsame Reaktionen hast.

Was den Break-even verschiebt

Vier Größen bewegen deine Schwelle, und du solltest bei jeder Entscheidung wissen, in welche Richtung.

Fixkosten steigen → Schwelle steigt. Eine neue Festanstellung, eine größere Halle, ein Leasingvertrag: Jede Fixkostenerhöhung verschiebt den Punkt nach oben, ab dem du verdienst. Deshalb ist Kapazitätsaufbau vor gesicherter Nachfrage gefährlich.

Preis sinkt → Schwelle steigt, und zwar überproportional. Im Beispiel: 10 % Rabatt senkt den Preis auf 405 Euro, den Deckungsbeitrag auf 135 Euro. Die Break-even-Menge springt von 300 auf 400 Geräte. Ein Drittel mehr Absatz nur, um denselben Punkt zu halten. Diese Rechnung gehört in jede Preisverhandlung.

Variable Kosten steigen → Schwelle steigt. Materialpreise, Fracht, Energie: Wer sie nicht in den Preis weitergibt, verschiebt seinen Break-even nach oben, ohne es zu merken.

Preis steigt oder variable Kosten sinken → Schwelle sinkt. Der stärkste Hebel, den du hast. Bei 495 Euro Preis (plus 10 %) steigt der Deckungsbeitrag auf 225 Euro, die Break-even-Menge fällt auf 240 Geräte. 60 Geräte weniger für dasselbe Ergebnis.

Merke dir die Asymmetrie: Preisnachlässe verschieben die Schwelle härter nach oben als Preiserhöhungen sie nach unten holen. Das ist der rechnerische Grund, warum die Preisstrategie vor jeder Volumenstrategie kommt.

Wofür du die Break-even-Analyse brauchst

Neue Produkte bewerten. Bevor du investierst: Wie viele Einheiten musst du absetzen, und ist diese Menge in deinem Markt realistisch? Wenn die Antwort „wir müssten Marktführer werden" lautet, ist die Kalkulation die Antwort, nicht der Optimismus.

Investitionen entscheiden. Eine Maschine erhöht die Fixkosten (Abschreibung, Zinsen, Wartung) und senkt idealerweise die variablen Kosten pro Stück. Rechne beide Effekte gegeneinander und prüfe, ob die neue Schwelle bei deiner realistischen Menge unterschritten wird.

Aufträge annehmen oder ablehnen. Bei gedeckten Fixkosten trägt jeder zusätzliche Auftrag mit positivem Deckungsbeitrag zum Gewinn bei. Vor dem Break-even ist derselbe Auftrag Überlebensarbeit. Dieselbe Zahl, zwei völlig verschiedene Bewertungen.

Preisuntergrenzen festlegen. Der Break-even zeigt dir, wo Verhandlungsspielraum endet und Substanzverzehr beginnt.

Standorte und Bereiche steuern. Jede Einheit mit eigenen Fixkosten hat ihren eigenen Break-even. Ein Standort, der die Schwelle strukturell nicht erreicht, wird nicht durch mehr Anstrengung profitabel.

Break-even bei mehreren Produkten

Die einfache Formel geht von einem Produkt aus. Sobald du ein Sortiment hast, brauchst du einen Zwischenschritt — sonst rechnest du mit einer Durchschnittsgröße, die es nicht gibt.

Der saubere Weg führt über die gewichtete Deckungsbeitragsquote. Du gewichtest die Quote jedes Produkts mit seinem Umsatzanteil.

Ein Betrieb mit drei Produktgruppen:

  • Gruppe A: 50 % des Umsatzes, Deckungsbeitragsquote 45 %
  • Gruppe B: 30 % des Umsatzes, Deckungsbeitragsquote 30 %
  • Gruppe C: 20 % des Umsatzes, Deckungsbeitragsquote 20 %

Gewichtete Quote: (0,50 × 45) + (0,30 × 30) + (0,20 × 20) = 22,5 + 9,0 + 4,0 = 35,5 %

Bei Fixkosten von 142.000 Euro im Monat:

142.000 ÷ 0,355 = 400.000 Euro Break-even-Umsatz

Jetzt kommt der Teil, der wirklich wichtig ist. Diese Rechnung gilt nur, solange der Produktmix stabil bleibt. Verschiebt sich der Absatz, verschiebt sich die Schwelle — auch bei völlig unverändertem Umsatz.

Angenommen, Gruppe C wächst auf 40 % des Umsatzes, Gruppe A fällt auf 30 %:

(0,30 × 45) + (0,30 × 30) + (0,40 × 20) = 13,5 + 9,0 + 8,0 = 30,5 %

Neuer Break-even: 142.000 ÷ 0,305 = 465.574 Euro

Der Betrieb braucht 65.000 Euro mehr Umsatz im Monat für dasselbe Ergebnis — allein weil sich verkauft hat, was leichter zu verkaufen war. Kein Preis hat sich geändert, keine Kosten sind gestiegen.

Das ist der lautlose Margenverlust, den viele Unternehmen erst im Jahresabschluss bemerken. Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: Beobachte die Umsatzanteile deiner Produktgruppen monatlich, nicht nur den Gesamtumsatz. Wenn sich der Mix zu margenschwachen Gruppen verschiebt, ist das ein Steuerungsproblem im Vertrieb — und oft eine Frage der Provisionslogik, wie im Beitrag über den Deckungsbeitrag beschrieben.

Die häufigsten Fehler

Unternehmerlohn vergessen. Wer sich selbst nicht in die Fixkosten rechnet, ermittelt eine Schwelle, bei der das Unternehmen überlebt und der Inhaber nicht.

Mit dem Durchschnittsprodukt rechnen. Bei gemischtem Sortiment funktioniert eine Mischkalkulation nur, wenn der Produktmix stabil bleibt. Verschiebt sich der Absatz zu margenschwachen Artikeln, ist deine Break-even-Rechnung falsch, obwohl der Umsatz stimmt.

Fixkosten zu niedrig ansetzen. Versicherungen, Beiträge, Softwarelizenzen, Instandhaltung, Steuerberatung: Was jährlich abgebucht wird, vergisst man in der Monatsrechnung leicht. Nimm die Jahressumme und teile durch zwölf.

Kapazitätsgrenzen ignorieren. Eine Break-even-Menge, die deine Produktion oder dein Team nicht leisten kann, ist keine Zielgröße, sondern eine Warnung.

Die Schwelle einmal berechnen. Fixkosten und Materialpreise ändern sich. Eine Rechnung von vor zwei Jahren beschreibt ein anderes Unternehmen.

Break-even mit Zahlungsfähigkeit verwechseln. Du kannst die Gewinnschwelle überschreiten und trotzdem kein Geld auf dem Konto haben, weil Kunden spät zahlen. Deshalb brauchst du zusätzlich den Cashflow.

Ein Hinweis zur Aussagekraft

Die klassische Break-even-Analyse arbeitet mit linearen Annahmen: konstanter Preis, konstante variable Kosten pro Stück, konstante Fixkosten. In der Realität stimmt das nur in einem bestimmten Bereich.

Ab einer gewissen Menge sinken Einkaufspreise durch Staffeln, gleichzeitig steigen Fixkosten sprunghaft, wenn eine zweite Schicht, ein weiterer Mitarbeiter oder eine neue Maschine nötig wird. Diese Sprünge musst du kennen, sonst rechnest du über eine Kapazitätsgrenze hinweg.

Rechne die Schwelle deshalb für den Bereich, in dem du tatsächlich arbeitest — und rechne sie neu, sobald du diesen Bereich verlässt. Grundlagen zur Systematik von Kostenstrukturen nach Wirtschaftszweigen liefert das Statistische Bundesamt.

Rechne deine Schwelle heute aus

Der Break-even-Point ist in zwanzig Minuten aufgestellt und verändert, wie du Preise und Aufträge bewertest. Du brauchst drei Zahlen: deine monatlichen Fixkosten einschließlich Unternehmerlohn, deinen Verkaufspreis und deine variablen Kosten pro Einheit.

Teile die Fixkosten durch den Deckungsbeitrag. Das Ergebnis ist die Menge, ab der dein Unternehmen für dich arbeitet statt du für es. Rechne anschließend die Sicherheitsspanne — sie zeigt dir, wie viel Luft du hast.

Wie du die Schwelle danach systematisch senkst, steht im Überblick zur Gewinnmaximierung. Für die Kostenseite hilft die Kostenoptimierung, für die Erlösseite die Preiskalkulation.

Nutze für die Rechnung das kostenlose Workbook. Wenn dein Break-even strukturell zu hoch liegt und du Preise, Kosten und Vertrieb gemeinsam neu aufstellen willst, prüfe das Skalierungsconsulting.

Häufige Fragen zum Break-even-Point

Was ist der Unterschied zwischen Break-even-Point und Gewinnschwelle?

Es sind zwei Bezeichnungen für dieselbe Kennzahl. „Gewinnschwelle" ist der deutsche Begriff, „Break-even-Point" der international übliche. Beide beschreiben den Punkt, an dem Erlöse die Gesamtkosten genau decken.

Wie berechne ich den Break-even ohne Stückzahlen?

Über die Deckungsbeitragsquote: Fixkosten geteilt durch die Quote ergibt den Break-even-Umsatz. Das ist der richtige Weg für Dienstleistungen, Projektgeschäft und gemischte Sortimente, in denen es kein einheitliches Stück gibt.

Gehört der Unternehmerlohn in die Fixkosten?

Ja, wenn du als Inhaber vom Unternehmen leben musst. Sonst ermittelst du eine Schwelle, bei der alle Rechnungen bezahlt sind, aber für dich nichts übrig bleibt. Setze den Betrag an, den du tatsächlich zum Leben entnimmst.

Wie oft sollte ich den Break-even neu berechnen?

Mindestens jährlich, außerdem bei jeder Veränderung von Fixkosten, Preisen oder Einkaufskonditionen. Eine neue Festanstellung oder eine deutliche Materialpreiserhöhung verschiebt die Schwelle sofort.

Was bedeutet ein sehr hoher Break-even-Point?

Dass du einen großen Teil deiner Kapazität allein für die Kostendeckung brauchst und wenig Puffer hast. Die Ansatzpunkte sind dann Fixkosten senken, Preise erhöhen oder den Produktmix zu margenstärkeren Angeboten verschieben — nicht einfach mehr verkaufen.