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Kunden akquirieren: So funktioniert systematische Akquise heute

Dirk Kreuter
Kunden akquirieren mit Skript und System

Du machst zehn Anrufe und kriegst zehn Neins. Du schreibst LinkedIn-Nachrichten und siehst keine einzige Antwort. Du fragst dich, ob „Kunden akquirieren" 2026 überhaupt noch funktioniert.

Hier ist die Wahrheit: Akquirieren ist kein Talent. Es ist Handwerk. Werkzeuge, Skripte, Wiederholung. Wer einmal die Mechanik versteht, akquiriert in jeder Branche — vom Maschinenbauer aus dem Sauerland bis zum SaaS-Gründer aus Berlin.

In meinem Bochumer Vertriebsteam akquirieren mehr als 20 Vertriebler jeden Tag. 2024 hat mein Werbebudget über mehr als 87.000 Anfragen produziert. Das ist kein Marketing-Trick. Das ist die Mechanik, die ich seit 35 Jahren im Vertrieb verfeinere und in der ich 10.000+ Unternehmer trainiert habe.

Dieser Post zeigt dir die Mechanik. Nicht die zehn beliebtesten Tipps. Nicht die Tool-Vergleiche. Sondern: Wie ein Telefon-Opener heute klingt, wie eine LinkedIn-Sequenz aussieht, welche fünf KPIs zählen — und wo die meisten beim Kunden-Akquirieren genau ihren Hebel verlieren.

Kunden akquirieren — Definition und warum die meisten es falsch machen

Kunden akquirieren ist die aktive, gezielte Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen — über Telefon, LinkedIn, Empfehlung oder Inbound-Kanäle. Es ist der Vertriebs-Prozess vom Erstkontakt bis zum Termin. Wer akquiriert, baut eine Pipeline. Wer eine Pipeline baut, baut planbaren Umsatz.

Die meisten machen drei Dinge falsch:

  • Improvisation statt Skript. Jedes Gespräch ist ein neues Experiment. Keine Wiederholung, keine Verbesserung.
  • Hoffen statt akquirieren. „Vielleicht meldet sich der Kunde von selbst." Akquise ist aber kein Wartezimmer. Wer nicht aktiv akquiriert, akquiriert nicht.
  • Bauchgefühl statt Zahlen. Ohne Anrufe pro Tag, Termin-Quote und Abschluss-Quote fliegst du blind. Was du nicht misst, kannst du nicht skalieren.

Akquirieren ist Handwerk. Ein Schreiner hat ein Werkzeug für jede Aufgabe und Routine an der Hobelbank. Ein Vertriebler hat ein Skript für jeden Kanal und Routine am Telefon. Wer die Werkzeuge kennt und die Routine läuft, akquiriert auch dann, wenn die Stimmung mies ist. Wer einen Überblick über alle Methoden inklusive Funnel-Modell will, liest zuerst den Artikel zur Kundenakquise — dieser Post hier geht eine Ebene tiefer ins Handwerk.

Die 4 Kanäle moderner Akquise

Es gibt heute exakt vier Kanäle, über die du B2B-Kunden akquirierst. Mehr nicht. Wer sich verzettelt, verliert.

Telefonakquise

Der schnellste Kanal vom Erstkontakt zum Termin. Eine gute Liste plus ein gutes Skript bringt im B2B 8–15 % Termin-Quote. Rechtlich erlaubt im B2B unter mutmaßlichem Interesse, im B2C nur mit ausdrücklicher Einwilligung.

LinkedIn-Akquise

Der größte B2B-Marktplatz in DACH. Sales Navigator filtert Entscheider auf Position, Branche und Unternehmensgröße. Eine durchdachte Sequenz aus Connection-Anfrage, Folge-DM und Bezug auf einen Trigger bringt 5–12 % Termin-Quote.

Empfehlungs-Akquise

Die höchste Abschlussquote aller Kanäle — typisch 40–60 %. Trotzdem nutzen 90 % der Unternehmen sie nicht systematisch, sondern „wenn es sich ergibt". Genau hier liegt der größte ungehobene Hebel.

Inbound-Akquise

Werbung, Content, SEO. Skaliert besser als jeder andere Kanal — aber braucht Vorlauf und Budget. Mein Werbebudget hat 2024 über 87.000 Anfragen gebracht.

Welcher Kanal für wen? Coaches und Berater fahren am besten mit LinkedIn plus Empfehlung. Maschinenbau und Industrie mit Telefon plus Messen. Handwerk fast ausschließlich mit Empfehlung plus lokale Werbung. SaaS-Anbieter mit Inbound plus LinkedIn-Outbound. Erst Kanal, dann Skript.

Telefonakquise: So sieht ein heutiges Skript aus

Vergiss alles, was du in den 90ern gelernt hast. Die alten Floskel-Opener — Wetterschmäh, Höflichkeits-Tänze, „darf ich kurz stören"-Einleitungen — sind verbrannt. Das heutige Skript ist kürzer, klarer, respektvoller — und genau deshalb schneller am Ziel.

Vier Schritte, in dieser Reihenfolge:

  1. Aufmacher mit Name und Grund des Anrufs in einem Satz.
  2. Nutzen-Versprechen — warum sollte der Entscheider 60 Sekunden zuhören?
  3. Frage — keine Aussage, sondern eine offene Frage zum Status quo.
  4. Termin — direkt zwei konkrete Vorschläge, niemals offen lassen.

So klingt das in der Praxis, gerichtet an einen Geschäftsführer (das Sample-Gespräch verwendet bewusst Sie-Anrede, weil der Prospect formell adressiert wird):

„Herr Maier, Dirk Kreuter hier. Ich rufe an, weil ich mit Geschäftsführern aus dem Maschinenbau in Ihrer Größenordnung gerade ein Thema bewege: planbare Vertriebspipeline ohne dauerhaft eigene Akquise-Führung. Wir haben in den letzten zwölf Monaten 40 Maschinenbauer ihre Termin-Quote auf zweistellig gehoben. Wie machen Sie aktuell ihren Pipeline-Aufbau? — Lassen Sie uns zwanzig Minuten dazu sprechen. Donnerstag 10 Uhr oder Freitag 14 Uhr — was passt besser?"

90 Sekunden. Ein Vorschlag, eine Frage, zwei Termine.

Einwandbehandlung — die drei Standard-Einwände

Drei Einwände hörst du in 80 % aller Anrufe. Lerne die Antworten auswendig.

  • „Schicken Sie mir Unterlagen." Antwort: „Mache ich. Damit die Unterlagen passen, brauche ich zwei Minuten — was ist heute euer größter Engpass im Vertrieb? Akquise oder Abschluss?"
  • „Wir haben gerade keinen Bedarf." Antwort: „Verstehe. Die meisten, mit denen ich spreche, sagen das — und genau die haben drei Monate später volle Pipelines. Lassen Sie uns zwanzig Minuten unverbindlich sprechen, dann wissen Sie, ob das für Sie zum richtigen Zeitpunkt kommt."
  • „Keine Zeit." Antwort: „Genau deshalb rufe ich an. Termin in zwei Wochen, zwanzig Minuten — Donnerstag 10 Uhr oder Freitag 14 Uhr?"

Wer die Flummitechnik kennt, hat noch ein viertes Werkzeug für jede Drucksituation. Lade dir die Anleitung herunter und lege sie neben das Telefon.

Termin-Quote optimieren

Die Termin-Quote ist der wichtigste KPI in der Telefonakquise. Top-Vertriebler in meinem Team liegen bei 12–18 %. Anfänger bei 2–4 %. Der Unterschied liegt in drei Dingen:

  • Liste. 50 perfekt qualifizierte Adressen schlagen 5.000 ungefilterte.
  • Skript. Auswendig, nicht abgelesen.
  • Wiederholung. 50 Anrufe pro Tag, fünf Tage die Woche. Ohne Wiederholung keine Routine.

LinkedIn-Akquise: Schritt für Schritt

LinkedIn ist 2026 der schnellste Kanal, um Entscheider in DACH zu erreichen. Aber: 95 % der LinkedIn-Akquise-Versuche scheitern, weil die Sequenz fehlt. Connection-Anfrage, dann Stille. Oder Connection-Anfrage, dann Pitch in Nachricht zwei. Beides verbrennt Vertrauen.

Hier ist die Sequenz, die in meinem Team läuft:

  1. Profil als Magnet. Headline mit klarer Nutzen-Aussage. Banner mit Beweis (Zahl, Logo, Auszeichnung). Featured-Section mit Lead-Magnet (zum Beispiel Anleitung, Webinar). Wer dein Profil sieht, soll in fünf Sekunden wissen, wofür du stehst.
  2. Liste mit Sales Navigator. 200–500 Entscheider, hyper-spezifisch nach Branche, Position, Unternehmensgröße.
  3. Connection-Anfrage ohne Pitch. Ein Satz, der sich auf einen Trigger bezieht: „Habe Ihren Beitrag zu Vertriebsprozess X gesehen — würde mich gern vernetzen." Punkt.
  4. DM-Sequenz über drei bis vier Wochen.

Beispiel-DM nach Connection-Annahme (Tag 1):

„Danke für die Vernetzung. Kurzer Kontext: Ich arbeite mit Geschäftsführern aus Ihrer Branche an planbarer Pipeline-Mechanik. Häufigster Engpass aktuell: Termin-Quote unter 10 %. Wie geht es euch da gerade? Falls relevant, teile ich gern unsere drei wichtigsten Hebel."

Tag 7: Mehrwert ohne Pitch (eine Erkenntnis aus dem Themenfeld). Tag 14: konkrete Termin-Anfrage mit zwei Slots. Tag 21: höflicher Abschluss-Satz („Falls jetzt nicht der richtige Zeitpunkt ist, gern in drei Monaten wieder").

Vier Touchpoints. Drei Wochen. Mehr nicht — sonst wirkst du wie ein Verfolger.

Empfehlungs-Akquise: Vom Zufall zum System

Empfehlungen haben die höchste Abschlussquote aller Kanäle. Trotzdem behandeln 90 % der Unternehmer sie wie ein Lottogewinn — sie kommen, wenn sie kommen. Falsch. Empfehlung ist ein Kanal, den du systematisierst.

Vier Schritte:

  1. Frage-Skript nach jedem Abschluss. „Wer in deinem Netzwerk hat dasselbe Problem, das wir gerade gelöst haben?" Die Frage muss raus — jedes Mal, ohne Ausnahme.
  2. Bonus-Mechanik. 5–10 % des Auftragsvolumens als Anerkennung. Gutschrift, Geschenk oder Spende an eine Organisation des Empfehlenden.
  3. Tracking im CRM. Jede Empfehlung mit Quelle, Datum, Status. Was du nicht misst, kannst du nicht skalieren.
  4. Drei Kontaktpunkte. Empfehlung anrufen innerhalb von 24 Stunden, Termin innerhalb von sieben Tagen, Follow-up innerhalb von 14 Tagen.

Wer das umsetzt, baut sich einen permanenten Anfragen-Strom — ohne einen Euro Werbebudget. In meinem Team ist Empfehlungs-Akquise neben bezahlter Werbung der zweitgrößte Pipeline-Kanal.

Die 5 wichtigsten KPIs der Akquise

Akquise ohne Zahlen ist Glauben. Akquise mit Zahlen ist System. Du brauchst genau fünf KPIs — nicht mehr, nicht weniger.

  • Anfragen pro Woche. Wie viele potenzielle Kunden treten in deinen Funnel ein? Eingehende Calls, LinkedIn-Antworten, Webformulare. Ohne Anfragen kein Termin.
  • Termin-Quote. Wie viele dieser Anfragen werden zu echten Vertriebs-Terminen? Benchmarks: Telefon 8–15 %, LinkedIn 5–12 %, Empfehlung 60–80 %, Inbound (qualifiziert) 25–40 %.
  • Abschluss-Quote. Wie viele Termine werden zu Aufträgen? Im B2B-Mittelstand sind 20–35 % bei warmen Terminen Standard. Wer darunter liegt, hat ein Verkaufs-, kein Akquise-Problem.
  • Auftragswert (durchschnittlich). Wie hoch ist der durchschnittliche Erstauftrag? Multipliziert mit Abschluss-Quote ergibt sich der Wert pro Termin — und damit das maximale Akquise-Budget pro Termin.
  • Wiederkauf-Rate. Wie viele Erstkunden werden Bestandskunden? Ohne Wiederkauf rennst du im Hamsterrad. Mit Wiederkauf hast du Lifetime Value, der dein Akquise-Budget entlastet.

Laut Statista liegen die durchschnittlichen Akquisitionskosten im B2B-DACH zwischen 800 und 4.500 Euro pro Neukunde — je nach Branche und Auftragsvolumen. Wer seine fünf KPIs nicht kennt, kennt diese Zahl nicht. Wer sie nicht kennt, kann nicht skalieren.

Häufige Fehler beim Kunden-Akquirieren

In 35 Jahren Vertrieb sehe ich immer dieselben fünf Fehler — bei Solo-Selbstständigen genauso wie bei 8-stelligen Mittelständlern.

  • Listen kaufen statt bauen. Eine 5.000-Adressen-Liste vom Datenhändler bringt drei Termine. Eine selbst gebaute Liste mit 100 perfekt qualifizierten Adressen bringt fünfzehn.
  • Improvisieren statt Skript. Wer ohne Skript anruft, ist im Erstkontakt-Stress. Wer mit Skript anruft, hat Routine. Routine schlägt Improvisation immer.
  • Drei Neins, dann Aufgeben. Die Studien sind eindeutig: Der Erstkontakt im B2B braucht im Schnitt fünf bis acht Touchpoints. Wer nach drei Versuchen aufhört, verliert vier Fünftel seines Erfolgs.
  • Keine Trennung Akquise — Verkauf. Akquise endet beim Termin. Verkauf beginnt beim Termin. Wer beides vermischt, akquiriert mit Verkaufsdruck und verkauft ohne Vorbereitung.
  • Kein Wiederkauf-System. Jeder Kunde wird nach dem ersten Auftrag vergessen. Folge: Du akquirierst dieselben Umsätze immer wieder neu, statt sie auszubauen.

Alle Methoden mit ROI-Sortierung findest du im Artikel zu Neukunden gewinnen — dort steht das WAS, hier steht das WIE.

Wie du Akquise in deinem Unternehmen automatisierst

Skripte, Sequenzen, KPIs — das ist die Mechanik. Aber Mechanik allein skaliert nicht, wenn du sie selbst bedienen musst. Wer wirklich planbar Kunden akquirieren will, baut zwei Dinge gleichzeitig:

  • Ein automatisiertes Inbound-System — Werbung, Funnel, Lead-Qualifizierung.
  • Ein Vertriebssystem mit Skripten und KPIs — wie genau die Mechanik aus Telefon, LinkedIn, Empfehlung in deinem Unternehmen produziert wird.

Wer beides verbindet, hat einen Vertrieb, der auch ohne dich Umsatz macht. Ich steuere meine Unternehmen vom Smartphone aus Dubai — während mehr als 70 Mitarbeiter in Bochum jeden Monat Millionen-Umsätze generieren. Das ist nicht Glück. Das ist System.

35 Jahre Vertriebs-Praxis, 10.000+ trainierte Unternehmer, eigenes Unternehmen mit 70+ Mitarbeitern. Mehr über Dirk Kreuter.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Kunden akquirieren und Kunden gewinnen?

Akquirieren ist die aktive Anbahnung — der Prozess vom Erstkontakt bis zum Termin. Gewinnen ist das Ergebnis — der Vertragsabschluss. Akquirieren ist also ein Teil von Gewinnen. Wer akquiriert, baut Pipeline. Wer gewinnt, baut Umsatz. Beides braucht Mechanik, beides braucht Wiederholung.

Wie viele Akquise-Anrufe pro Tag sind realistisch?

Im B2B-Mittelstand sind 30–60 saubere Anrufe pro Tag und Vertriebler realistisch — bei reiner Akquise-Funktion ohne Verwaltungs-Last. Top-Vertriebler in meinem Team kommen auf 50 Anrufe täglich, fünf Tage die Woche. Wer unter 20 liegt, hat kein Akquise-Problem, sondern ein Prozess-Problem.

Funktioniert Telefonakquise im B2C noch?

Nein, nicht ohne explizite Einwilligung. Im B2C ist Cold-Calling rechtlich tabu — verstößt gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG § 7). Im B2B dagegen erlaubt unter der Voraussetzung mutmaßlichen Interesses und sachlichen Bezugs. Wer B2C-Kunden akquirieren will, geht über Inbound, Empfehlung oder Werbung — nicht über das Telefon.

Welche Termin-Quote ist gut?

Im B2B-Telefon: 8–15 % bei guter Liste und gutem Skript ist Standard. 15–20 % ist Top-Niveau. Unter 5 % stimmt entweder die Liste nicht oder das Skript. Bei LinkedIn liegen typische Termin-Quoten bei 5–12 %, bei Empfehlung deutlich über 50 %.

Wie lange dauert es, bis Akquise messbar wird?

Mit 50 Anrufen pro Tag oder 30 LinkedIn-Touchpoints siehst du innerhalb von 14 Tagen erste Termine, innerhalb von 30 Tagen erste Abschlüsse, innerhalb von 90 Tagen einen stabilen Pipeline-Rhythmus. Wer nach 30 Tagen aufgibt, hat nie akquiriert — er hat probiert.

Mach den ersten Anruf heute. Nicht morgen. Akquirieren ist Handwerk — und Handwerk lernt man nur an der Werkbank.